Von der Draisine zum Elektromobil

Treiber der Mobilität gestern und heute

Sich verändernde Umweltverhältnisse können dazu führen, dass sich neue Technologien durchsetzen, die besser an die neuen Verhältnisse angepasst sind. Ein solches Beispiel ist die Draisine, der Vorreiter des heutigen Fahrrads und heutiger Mobilität im Allgemeinen, die sehr wahrscheinlich eine Antwort auf Ernteausfälle und das damit verbundene Nutztiersterben gewesen sein könnte.
Eine Reihe kalter Sommer führte in Europa zu Ernteausfällen und damit verbundener Futtermittelknappheit. Besonders das Jahr 1816, das als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte einging, war durch kalte Temperaturen geprägt [vgl. http://www.winterplanet.de/Sommer1816/Jos-Teil3.html]. Der Ausbruch des Vulkans Tambora (Indonesien) hatte große Mengen an Staub in die Atmosphäre freigesetzt, die zu Temperatureinbrüchen rund um den Globus geführt hatten [vgl. z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Jahr_ohne_Sommer]. Diese hatten die angesprochenen Ernteausfälle als Folge, die zu Hungersnöten, gestiegenen Nahrungsmittelpreisen und schließlich als Folge zum Nutztiersterben führten. Besonders die Gegend nördlich der Alpen, also auch Baden und Württemberg, war besonders betroffen.
„Genau für diese Notlage war Karl Drais’ zweirädrige Laufmaschine gedacht, ein vom Haferpreis unabhängiger Ersatz für Pferde“ [vgl. Lessing, H.-E., Automobilität - Karl Drais und die unglaublichen Anfänge, Oktober 2003, Maxime-Kutschera Verlag, Leipzig]. Karl Drais, ein in Karlsruhe geborenen Erfinder, entwickelte sein Laufrad, das nach seinem Namen Draisine genannt wird, also vor dem Hintergrund eines sich (temporär) veränderten Klimas, dessen Auswirkungen zu verknappten Ressourcen und
erhöhten Futtermittelpreisen geführt haben. Die Draisine stellte demnach eine neue Form der Mobilität - die Draisine hat kein Vorbild in der Natur - dar, die eine Antwort auf die veränderten Bedingungen und Bedürfnisse der damaligen Individualmobilität geben konnte.
Die Situation heute ist vergleichbar. Ein sich veränderndes Weltklima, lokale und globale Emissionen, sich verknappende Ressourcen und steigende Rohölpreise stellen heutige Mobilitätsformen in Frage. Aber auch der demographische Wandel, die zunehmende Urbanisierung und sich verändernde Werte führen dazu, dass heutige Mobilität ganz neu gedacht werden muss. Das Elektrofahrzeug kann ein Teil der Antwort auf die sich verändernden Umweltbedingungen sein. Aufgrund der Möglichkeit, abhängig von der Art der Stromerzeugung, das Elektrofahrzeug emissionsfrei zu betreiben, kann der Problematik des Klimawandels und der sich verknappenden Ressourcen und den damit verbundenen steigenden Treibstoffkosten entgegnet werden. Sich verändernde Bedürfnisse und Ansprüche an Mobilität, Einschränkungen der Elektromobilität und energiewirtschaftliche Fragestellungen, aber auch neue Technologien erfordern es, Mobilität als Gesamtzusammenhang von Fahrzeugen, technischen Infrastrukturen, organisatorischen Konzepten, intermodalen Verkehrsansätzen und Betreibermodellen zu denken und zu konzipieren. U.a. Sharing-Konzepte werden in diesem Zusammenhang an Bedeutung gewinnen und müssen verstärkt im Gesamtzusammenhang der Mobilität gesehen werden. Auch heute könnten die sich ändernden Umweltbedingungen somit Anlass für die Entwicklung völlig neuer Mobilitätsformen sein, vergleichbar mit der Entwicklung der Draisine vor ca. 200 Jahren.

Aber nicht nur die Neuartigkeit der Mobilitätsform ist eine Gemeinsamkeit der Draisine und dem Elektromobil als Gesamtkonzept, wie es oben dargestellt wurde. Auch die Draisine hatte mit technischen Unzulänglichkeiten zu kämpfen. Was heute bei Elektrofahrzeugen hauptsächlich die geringe Reichweite ist, waren bei der Draisine Schwierigkeiten bei der Beherrschung des Gefährts und harte Räder, die eine weitere Verbreitung derselben aufgrund von Komfortaspekten verhinderten [vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Draisine_%28Laufmaschine%29]. Als Folge der schwierigen Beherrschbarkeit der Draisine konnten diese nicht auf den zerfurchten Fahrbahnen der Fuhrwerke bewegt werden und mussten daher auf die plattenbelegten Gehsteige ausweichen [vgl.http://www.mannheim.de/wirtschaft-entwickeln/karl-drais-urvater-des-individualverkehrs]. Das Fahren der Draisinen auf den Bürgersteigen wurde aufgrund der Verkehrsgefahren, die davon ausgingen, bald verboten, sodass sich die Verbreitung dieses Verkehrsmittels auch in Folge fehlender Infrastruktur um Jahrzehnte verzögerte. Aber trotz der Schwierigkeiten, die einer Verbreitung der Draisine zunächst entgegenstanden – eingeschränkter Komfort, Fehlen einer geeigneten Infrastruktur und wahrscheinlich auch ein hoher Preis –, konnte sie sich durchsetzen und wurde so zum Wegbereiter der modernen Mobilität.

 


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