Kernthemen

Durch die Bündelung der Kompetenzen der beteiligten Forschungseinrichtungen, die sich ergänzen, wird eine systemische Konzeption einer regionalen Individualmobilität erstmalig möglich. Im Mittelpunkt der Aktivitäten, innovative Konzepte und Teilsysteme zu entwickeln, stehen die Kernthemen Fahrzeugkonzept (Hardware), Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) (Software) sowie Mobilitätskonzepte, Infrastrukturen, Kundenakzeptanz und Geschäftsmodelle (Orgware) im Mittelpunkt. Ergänzt wird diese Systematik durch das Kernthema Aus- und Weiterbildung (Mobilitätsakademie). Unten stehende Graphik veranschaulicht das Zusammenspiel der Kernthemen.

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REM 2030 zielt auf die Konzeption ganzheitlicher Mobilitätslösungen, sodass das Fahrzeug nicht entkoppelt von den IKT-Lösungen und Geschäftsmodellen betrachtet werden kann, da diese direkten Einfluss auf die Fahrzeugkonzeption und die Entwicklung neuer Fahrzeugsubsysteme haben.

Hardware

Neben den zwei Schwerpunktthemen „Gesamtfahrzeugkonzept“ und Entwicklungsmethoden und Validierung, die als kernthemenübergreifend zu betrachten sind, werden weitere vier Themenkomplexe von besonderer Bedeutung sein. Diese sind „Energiespeicher“, „Range-Extender“, „E-Drive-To-Wheel“ und „Karosserie, Innenraum, Ergonomie“.

Das zu definierende Fahrzeug zeichnet sich dadurch aus, dass es durch Anpassungen eine Vielzahl von Mobilitätsaufgaben im regionalen Umfeld erfüllen kann. Ein dynamisches Fahrzeugkonzept im Hinblick auf Bedienfreundlichkeit und Ergonomie erleichtert dabei auch älteren Fahrern durch neuartige Assistenz- und Sicherheitssysteme die Teilnahme am Verkehr. Das Konzept zeichnet sich durch leichte Bedienbarkeit und eine hohe Individualisierbarkeit aus. Als Energiespeicher soll der Einsatz einer Redox-Flow-Batterie untersucht werden, bei der hochflexiblen Auslegung des Interieurs sollen hochfeste Faserverbundwerkstoffe zum Einsatz kommen.

Software

Das Kernthema Software umfasst einerseits den Aufbau eines „Informations- und Kommunikations (IuK) Backbone" als Grundlage für eine spezifische, an aktuelle regionale Gegebenheiten angepasste Individualmobilität. Zum anderen beinhaltet es zwei visionäre Themen, die in der vorliegenden Form noch nicht adressiert wurden. Es handelt sich hierbei um die Themen „Open Source im Fahrzeug“ und einen „Mobilitätsmanager“, welcher sich als Client auf eine regionale Mobilitätszentrale stützt. Während das Thema „Open Source im Fahrzeug“ eine Internetplattform für das Anbieten und Austauschen von Softwarekomponenten beinhaltet, begleitet der „Mobilitätsmanager“ den Reisenden stets, stellt ihn in den Mittelpunkt und steht in der jeweils verfügbaren Hardware (Notebook, PDA, Navigationssystem im Fahrzeug…) bereit. Durch Zugriff auf die benötigten Informationen, wie persönlicher Termine, Witterung, Verkehrsdaten, Fährpläne, Kosteninformationen und andere, kann dem Reisenden eine mögliche Reiseroute vorgeschlagen und bei Bedarf modifiziert werden. Durch Kommunikation der jeweiligen Mobilitätsassistenten untereinander soll, so die visionäre Vorstellung, mithilfe im Hintergrund ablaufender Verhandlungsprozesse der optimale Reiseablauf gewährleistet werden. Dies würde bedeuten, dass an geeigneten Stellen die derzeitigen Vorfahrtsregeln durch die Mobilitätszentrale dynamisch gestaltet und mit einem Abrechnungssystem verknüpft werden. Eine solche Funktionalität soll in REM 2030 durch Simulation evaluiert werden.

Orgware

Die regionale Mobilität der Zukunft erfordert nicht nur innovative technische Lösungen, sondern ebenso neue Gesamtkonzepte, die die sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen berücksichtigen. Die Erarbeitung passfähiger Konzepte erfordert eine mehrgliedrige Analyse. Das Design von Mobilitätskonzepten zum Anschluss der individuellen Fahrsysteme an bestehende Systeme des öffentlichen Verkehrs, die Entwicklung von Infrastrukturen für die Bereitstellung von Energie und Informationen sowie der Entwurf von Geschäftsmodellen für den wirtschaftlichen Betrieb der verschiedenen Systemkomponenten werden analysiert.
Durch Auswertung der Fahrprofile unterschiedlicher Nutzergruppen können Analysen über künftige Änderungen in Fahrprofilen über sozio-ökonomische Analysen und die Entwicklung sowie Bewertung verschiedenster innovativer Verkehrskonzepte durchgeführt werden. Beispielsweise zeichnen sich in den letzten Jahren Entwicklungen ab, die mittel- bis langfristig zumindest in großen und mittleren Städten zu einer Differenzierung traditioneller Mobilitätsstile führen dürften (Stichwort Carsharing).
Im Falle des anvisierten Batteriespeichers (Redox-Flow) wird zur Beladung der Batterie der entladene Flüssigelektrolyt durch einen geladenen ersetzt. Hierzu muss neben dem Aufbau einer Tankstelleninfrastruktur auch die Frage der Aufladung des entladenen Elektrolyten geklärt werden.
Aufgrund der Neuartigkeit der verschiedenen Konzepte einzelner Systemkomponenten entsteht eine Vielzahl an potenziell sinnhaften und wirtschaftlichen Geschäftsmodellen. Hier gilt es, erfolgsversprechende Geschäftsmodelle zu identifizieren und zu validieren. Des Weiteren sind im Rahmen einer sozioökonomischen Bewertung die individuellen Perspektiven der an den verschiedenen Geschäftsmodellen beteiligten Akteure zu berücksichtigen. Beispielhaft für den Einbezug neuer Akteure ist das Modell der integrierten Wohnraum- und Mobilitätsdienstleistung. Wohngesellschaften können die Fahrzeuge stationär zur Energieversorgung ihrer Wohnung nutzen und gleichzeitig den Bewohnern Mobilität anbieten. Insgesamt gilt es, nicht nur die ökonomischen und ökologischen Auswirkungen der neuen Mobilitätskonzepte auf die regionale Wirtschaft zu untersuchen, sondern in einem weiteren Schritt zu analysieren, welche Dynamik dadurch in das regionale Innovationsgeschehen induziert wird.

In dem Teilbereich Neue Mobilität für Familien soll die Mobilität von Familien mit Kindern in den Städten Karlsruhe, Freiburg und Stuttgart untersucht werden. Wie sind Familien mobil und wie nehmen sie ihre Mobilität wahr? Außerdem werden neue Antriebs- und Mobilitätsformen und die Erwartungen an diese diskutiert. Schließlich soll herausgefunden werden, was Städte für die Mobilität von Familien tun können. Dazu sollen zunächst Mobilitätstagebücher von den Familien erhoben werden, in denen sie über eine Woche dokumentieren, wie sie mobil sind. Im Anschluss werden Leitfadeninterviews durchgeführt, in denen die Mobilitätstagebücher diskutiert und Einstellungen zu Verkehrsmitteln erhoben werden. Desweiteren soll die Rolle von Städten hinsichtlich der Verbesserung der Mobilitätsoptionen für Familien diskutiert werden.

Mobilitätsakademie

Über die genannten Themenfelder spannt sich das Aus- und Weiterbildungskonzept (Mobilitätsakademie), das die umfangreichen Kompetenzen und Fragestellungen, die im Rahmen des REM2030 relevant sind, bündelt. Auch hier steht der systemische Ansatz im Vordergrund, den Teilnehmern wird ein interdisziplinärer und anwendungsorientierter Zugang zu Mobilitätskonzepten der Zukunft ermöglicht. Neben der rein fachlichen Arbeit ist die Vermittlung weitergehender Qualifikationen für die Umsetzung verschiedener Aufgabenstellungen ein zentraler Bestandteil dieses Ausbildungskonzeptes.

 


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